28. November 2011
Etliche Pharmafirmen haben sich in den letzten fünf Jahren in der Zentralschweiz angesiedelt. Gründe dafür sind die tiefen Immobilienpreise, die tiefen Steuern, die guten Verkehrsverbindungen und internationale Schulen. Die Mitarbeitenden stammen oft aus dem Ausland.
International tätige Pharmafirmen wählten in den letzten fünf Jahren immer öfters die Zentralschweiz als Standort. Dazu kommen Unternehmen, die bereits seit Jahrzehnten in der Region angesiedelt sind. Dennoch läuft die Zentralschweiz dem Pharma- und Chemiestandort Basel den Rang nicht ab. «Von einer Verlagerung kann man nicht sprechen. Es gibt jedoch den Zusammenzug von Novartis, die den Schweizer Markt betreffende Tätigkeiten in Zug konzentriert hat. Die restlichen Firmen in der Zentralschweiz sind meistens Neuansiedlungen aus dem Ausland», sagt Marc Bros de Puechredon, Leiter Marketing und Kommunikation und Geschäftsleitungsmitglied der BAK Basel Economics AG.
Den Trend zur Ansiedlung spürt auch die Wirtschaftsförderung Luzern. Momentan zählt sie zehn ausländische Pharmafirmen, die grundsätzliches Interesse an einem Standort im Kanton Luzern bekunden. «Für den Wirtschaftsstandort Zentralschweiz sprechen die im Vergleich zu Zürich und der Genfersee-Region tieferen Immobilienpreise. Zudem hat sich die Erreichbarkeit dank der nun durchgehenden Autobahn stark verbessert. Des Weiteren bietet die Zentralschweiz das insgesamt mildeste Steuerklima der Schweiz an», weiss Patrik Wermelinger, Leiter Promotion und Marketing der Wirtschaftsförderung Luzern.
Die Roche Diagnostics AG ist bereits seit über 40 Jahren in der Zentralschweiz ansässig. Heute beschäftigt Roche in Rotkreuz rund 1600 Mitarbeitende und ist somit der zweitgrösste Arbeitgeber im Kanton Zug. Roche rekrutiert grundsätzlich internationale Fachkräfte. «Roche ist führend auf dem Gebiet der Diagnostik. Viele Fachleute möchten deshalb bei Roche arbeiten. In Rotkreuz können wir ihnen sowohl attraktive Arbeitsplätze wie auch eine schöne Wohngegend bieten», sagt Martina Rupp, Head Site Communications bei der Roche Diagnostics AG. Im Gegensatz dazu kommen die Mitarbeitenden der Schwabe Pharma AG in Küssnacht am Rigi praktisch ausschliesslich aus der Region. «Unsere Mitarbeitenden kommen sowohl aus der Zentralschweiz als auch aus den umliegenden Kantonen wie Zürich und Aargau», betont Stephan Vautravers, Leiter Marketing und Verkauf der Schwabe Pharma AG.
Dass bereits andere Pharmafirmen in der Zentralschweiz ansässig waren, spielte eine entscheidende Rolle bei der Verlegung des Hauptsitzes des Generikaproduzenten Actavis ins zugerische Steinhausen im September 2010. «Mehrere Mitarbeitende von anderen Unternehmen haben sich aktiv bei uns gemeldet. Sie wollten eine neue Herausforderung annehmen, ohne den Wohnsitz verlegen zu müssen», weiss Frank Staud, Executive Vice President, Corporate Communications, der Actavis Group. Die geografische Nähe von branchenverwandten Firmen bemerkt auch die B. Braun Medical AG in Sempach, die bereits seit 1973 ihren Sitz in der Region hat. «Einerseits können wir von Synergien profitieren. Andererseits spüren wir bei der Suche nach Fachkräften die grössere Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt», sagt Beat Fischer, Chief Communication Officer der B. Braun Medical AG. Eher eine beschränkte Rolle messen die Konjunkturforscher der BAK Basel diesem «Clusterphänomen» bei. «In der Zentralschweiz wurden nicht forschende Pharmafirmen, sondern vor allem Headquarters und Regionalzentren für Europa und Afrika gegründet. Daher sind in den meisten Fällen eher die guten Rahmenbedingungen wie die zentrale Lage, die tiefen Steuern und die Lebensqualität für die Ansiedlung grundlegend», sagt Marc Bros de Puechredon.