16. Januar 2012
Einige Zentralschweizer Firmen sind über 100 Jahre alt. Dank dieses grossen Erfahrungsschatzes sowie der gezogenen Lehren aus jahrzehntelangem Unternehmertum profilieren sie sich auf dem Markt und erschliessen zukunftsträchtige Geschäftsfelder. Der Erfolg dieser Unternehmen basiert oft auf einer mutigen Investitionspolitik, Innovationsfähigkeit, einer starken Unternehmenskultur und gelebten traditionellen Grundwerten. Einige Beispiele.
Victorinox-Geschäftsführer Carl Elsener wurde an der Swiss-Award-Verleihung 2012 zum Unternehmer des Jahres gekürt.
In der Zentralschweiz bestehen etliche erfolgreiche Unternehmen, die über eine lange Tradition verfügen. Eines davon ist das Industrieunternehmen vonRoll infratec in Zug. Die Ursprünge dieser Firma lassen sich auf das Jahr 1810 datieren, als sie die Konzession zum Betrieb eines Hochofens erhielt. Damit ist das Unternehmen heute 202-jährig. VonRoll infratec hat aus der eigenen, wechselvollen Geschichte Lehren für die Zukunft gezogen, weiss Jürg Brand, Verwaltungsratspräsident von vonRoll infratec. «Aus der sicheren Beherrschung von Themen und Prozessen entstehen zukunftsträchtige neue Geschäftsfelder: zum Beispiel der Bereich Elektromobilität (www.vrone.ch und www.electrant.ch), der aus der Infrastrukturkompetenz im Wassergeschäft entstanden ist. Und im Bereich Guss bauen wir unser Engineering-Zentrum und den Modellbau konsequent aus. So werden wir zum Entwicklungspartner unserer Kunden. Wir setzen somit auf den Ansatz ‹Kompetenz aus einer Hand›.»
Das Rotzloch ist einer der ältesten Industrieorte im Kanton Nidwalden. Es wird als die Geburtsstätte der Nidwaldner Industrie bezeichnet: Denn bereits 1562 diente das Wasser des Mehlbachs dem Betrieb einer Mühle. Im Laufe der Jahrhunderte wurden unter anderem eine Ribi (Hanfreinigung), Sägerei, Pulvermühle, Gerberei, Getreidemühle, Nagel- und Hammerschmiede sowie eine Giesserei unterhalten. Im Jahr 1931 wurde die AG für Steinindustrie Rozloch, die spätere Steinag Rozloch AG, gegründet. Der Industriebetrieb liefert hochwertiges Hartgestein wie Schotter für den Gleisbau sowie Brechsand und Splitt für den Strassenbau. 2006 übernahm die Müller-Steinag-Gruppe, Rickenbach, die Aktienmehrheit der Steinag Rozloch AG. Diese ist ein in der ganzen Schweiz operierendes Unternehmen für die Bereiche Betonwaren, Vorfabrikation und Naturbaustoffe. Die Müller-Steinag-Gruppe setzt auch in Zukunft auf den Produktionsstandort Nidwalden und den Standort Rotzloch. «Die Herausforderungen in der Betonwarenproduktion sind in den nächsten Jahren enorm gross. Wir rüsten uns für die Zukunft, indem wir – wie in den vergangenen Jahren – gezielt in den Standort Rotzloch investieren», sagt der Projektleiter Marketingkommunikation der Creabeton Baustoff AG in Rickenbach.
«Qualität, Funktionalität, ständige Innovation und besonderes Design: Das sind die vier Hauptwerte der Erfolgsgeschichte der Victorinox AG», betont Hans Schorno, Medienverantwortlicher der Victorinox AG in Ibach-Schwyz. Diese Eigenschaften führten auch jüngst dazu, dass Victorinox-Geschäftsführer Carl Elsener an der Swiss-Award-Verleihung 2012 zum Unternehmer des Jahres gewählt wurde. Das Unternehmen wurde 1884 gegründet. «Unsere Kunden sollen stets einen möglichst hohen Gegenwert für ihr Geld erhalten – dieses Credo galt früher und gilt heute noch», führt Hans Schorno aus. Die Victorinox AG will die aktuelle Produktpalette mit Taschenmessern, Uhren, Reisegepäck und Bekleidung weltweit etablieren. Das Unternehmen hat dabei die Lehren aus dem Jahr 2001 gezogen: «Damals wurde uns bewusst, dass es besser ist, nicht bloss auf ein Produkt zu setzen.»
Nächstes Jahr steht bei den Bergbahnen Titlis Rotair ein grosses Jubiläum an: Das Engelberger Unternehmen feiert das 100-jährige Bestehen der Bahnfahrt. «Wir haben immer vorwärtsgeschaut, ohne die Herkunft aus den Augen zu verlieren», umschreibt Peter Reinle, Marketingleiter von Titlis Rotair, das Erfolgsrezept. Wichtige Schritte seien in den 1970er-Jahren unternommen worden, wie zum Beispiel mit der Erschliessung des Asiengeschäfts. Zudem haben die Bergbahnen Titlis Rotair immer in zukunftsträchtige Projekte investiert. So soll zum Beispiel in zwei Jahren eine Gondelbahn von Engelberg nach Titlis-Stand fahren. Das Projekt kostet 35 bis 40 Millionen Franken. «Wir sind aber nicht bloss eine Bergbahn, sondern eine integrierte Tourismusorganisation. Wir bieten die ganze Palette an und verfügen über Hotels und diverse Restaurants in Engelberg», ergänzt Peter Reinle. Im September 2011 fand des Weiteren der Spatenstich zum Titlis-Resort, einem Feriendorf mit 130 Wohnungen, statt. Titlis Rotair ist Investorin und Bauherrin.
Schon dieses Jahr darf die Trisa AG in Triengen feiern: Das Unternehmen besteht seit 125 Jahren. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts zählte Trisa rund 30 Mitarbeitende und stellte primär Haar- und Haushaltsbürsten her. 1903 wurde in Triengen die erste Zahnbürste im Handeinzugsverfahren produziert. Heute sind es mehr als eine Million Qualitätszahnbürsten pro Tag, die mit modernen Produktionstechnologien hergestellt werden. «Von Anfang an steht der Name Trisa für Qualität, Innovation und Nachhaltigkeit. Der Erfolg von Trisa basiert auf einer starken Unternehmenskultur, einem systematischen Innovationsmanagement und einer mutigen Investitionspolitik», betont Othmar Wüest, Leiter Kommunikation der Trisa AG in Triengen. Von 2000 bis 2011 hat die Trisa-Gruppe über 400 neue Arbeitsplätze geschaffen und für mehr als 250 Millionen Franken in Bauten, Infrastruktur, neue Technologien und Produkte am Standort Schweiz investiert. «Innerhalb von 125 Jahren hat sich bei Produkten und Herstellverfahren viel geändert. Geblieben sind stets die Freude und Begeisterung an der Aufgabe», resümiert Othmar Wüest.
Als die Schweizerischen Draht- und Gummiwerke 1915 finanzielle Schwierigkeiten hatten, übernahm Adolf Dätwyler die Leitung dieses Vorgängerunternehmens der Dätwyler-Gruppe in Altdorf. Heute ist die Dätwyler-Gruppe weltweit zweitgrösster Anbieter von Gummi- und Aluminiumverschlüssen für die pharmazeutische Industrie und führender Hersteller von hochpräzisen Gummiformteilen für die Automobilindustrie. «Durch die lange Tradition und die starken Wurzeln hat Dätwyler einen eigenen Stil mit hohen Standards entwickelt: Kundennähe, Innovationsfähigkeit und Engagement sind zentrale Werte des Unternehmens», sagt Guido Unternährer, Leiter Corporate Communications der Dätwyler Holding AG in Altdorf. «Zudem gewinnen traditionelle Grundwerte wie Vertrauen und Respekt in einer immer globaleren Welt wieder an Bedeutung.» Aus diesem Grund ist die Dätwyler-Gruppe 2009 dem «UN Global Compact» beigetreten. Als Mitglied dieser UNO-Initiative verpflichtet sich Dätwyler, die zehn Prinzipien zu Menschenrechten, Arbeitspraktiken, Umweltschutz und Korruptionsbekämpfung zu befolgen. Des Weiteren pflegt Dätwyler eine konsequent dezentrale Führung mit klaren Vorgaben, um mit dem laufenden Markt- und Technologiewandel Schritt zu halten. «Indem die Entscheide auf der tiefstmöglichen Stufe nahe am Markt und an den Kunden gefällt werden, fördert Dätwyler eine Unternehmenskultur mit hoher Identifikation und kurzen Reaktionszeiten», sagt Guido Unternährer.