Zentralschweizer Elektrizitätswerke sind für Rekordkälte gerüstet

13. Februar 2012

Weil mehr geheizt wird, belastet die derzeitige Kältewelle das Schweizer Stromnetz zusätzlich. Droht gar ein Stromkollaps, von dem auch die Zentralschweiz betroffen ist, wie Pierre-Alain Graf, Chef der nationalen Netzgesellschaft Swissgrid, befürchtet? Die Zentralschweizer Elektrizitätswerke entgegnen grösstenteils, dass der Anstieg des Stromverbrauchs im Rahmen sei und keine Überlastungsgefahr bestehe. Die hohe Belastung der Netze sei jedoch eine Tatsache.

In Nidwalden wurde ein neuer Rekord-Stromverbrauch gemessen: Am 6. Februar lag er bei 1 160 000 kWh. «Seit Beginn der Kältewelle ist der Stromverbrauch im Vergleich zum Vorjahr um rund 38 Prozent gestiegen. Gegenüber typischen Februar-Tagesverbräuchen ist der Stromverbrauch um 25 Prozent höher», bemerkt Christian Bircher, Direktor des kantonalen Elektrizitätswerkes Nidwalden (EWN). Die Nidwaldner Wasserspeicher, allen voran der Stausee Bannalp, leisten einen wichtigen Beitrag zur Deckung des Stromverbrauchs. Bei Tagesproduktionen von 136 000 kWh sinkt aber die verfügbare Wassermenge stark. «Wird das aktuelle Produktionsregime beibehalten, reicht der Speicherinhalt noch für zehn Tage. Danach müssten 100 Prozent des benötigten Stroms auf dem freien Markt beschafft werden», sagt Christian Bircher.

Auch das Elektrizitätswerk Obwalden (EWO) mass einen neuen Höchstwert: Der Tagesverbrauch am 7. Januar betrug 1 190 000 kWh. «Trotzdem ist das Verteilnetz des EWO nicht am Limit. Infolge der kalten Witterung können zwar an vereinzelten Stellen allenfalls kleinere Probleme wie ein technischer Defekt von Anlageteilen oder eine grosse Schneelast auftreten. Aber diese kleineren Zwischenfälle haben keinen Einfluss auf das gesamte Verteilnetz», sagt Thomas Baumgartner, Vorsitzender der Geschäftsleitung des EWO. Insgesamt ist der Stromverbrauch beim EWO höher im Vergleich zur Vorjahresperiode: Im Januar stieg er um 0,25 Prozent und Anfang Februar um 18,9 Prozent.

«Stürme oder Lawinen sind kritischer»

Bei energie wasser luzern (ewl), das die Stromversorgung der Stadt Luzern, von Schwarzenberg und Teilen von Kriens sicherstellt, erhöhte sich der Stromverbrauch während der Kältewelle um rund 7 Prozent. «Diese Zunahme bewegt sich aber im Rahmen und hat keine Auswirkungen auf den Betrieb», weiss Petra Zimmermann, Mediensprecherin von ewl. Auch keine Probleme sieht Jörg Wild, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Elektrizitätswerk Altdorf AG (EWA): «Kritischer sind für uns Stürme, massive Schneefälle oder Lawinen.» Allerdings seien die Warnungen von Swissgrid ernst zu nehmen, da der Stromverbrauch in den letzten Jahren deutlich zugenommen habe. «Da die meisten Zentralschweizer Stromversorger im Winter Strom über das Höchstspannungsnetz, das von Swissgrid betrieben wird, beziehen, würde ein Ausfall dieses Zubringers auch die Zentralschweiz treffen.»

Als «praktisch identisch im Vergleich zum Vorjahr» bezeichnet Daniel Messerli, Marketingfachmann Energie und Wasser der Wasserwerke Zug AG (WWZ), den Stromverbrauch im Januar im Kanton Zug. «Im Februar zeichnet sich anhand der tiefen Temperaturen ein höherer Wert ab, der sich im einstelligen Prozentbereich bewegen dürfte.» Die regionalen Netze seien auf solche Situationen vorbereitet. «Es ist nicht mit Problemen zu rechnen, wenn keine ausserordentlichen Situationen wie Kabelschäden durch Bauarbeiten oder Netzunterbrüche durch Sturm auftreten», führt Daniel Messerli aus.

Auch Simona Gambini, Leiterin Corporate Communications der Centralschweizerischen Kraftwerke AG (CKW), betont, dass die Energieversorgung trotz Tiefsttemperaturen gewährleistet sei. «Als eher kritisch ist die generell hohe Belastung der Netze zu beurteilen, da im Winter die Spitzenbelastungen bis zu 75 Prozent höher sein können als im Sommer.» Im Verteilnetz der CKW, das den Grossteil des Kantons Luzern mit Strom versorgt, sei seit Beginn der Kälteperiode die Spitzenbelastung um 15 Prozent gestiegen. «Dies ist aber kein Höchstwert. Die Belastung bewegt sich auf vergleichbarem Level wie im Winter 2009/10», weiss Simona Gambini.

Die Elektrizitätswerk Schwyz AG (EWS) versorgt den Bezirk Küssnacht, Gersau, Teile des Bezirks Schwyz und die angrenzenden Luzerner Seegemeinden Greppen, Weggis und Vitznau mit Strom. Um rund 20 Prozent ist die Belastung des Verteilnetzes des EWS seit Beginn der Kältewelle gewachsen. Trotzdem macht man sich auch beim EWS keine Sorgen. «Das Verteilnetz des EWS konnte die extremen Belastungen bis anhin ohne nennenswerte Störungen bewältigen», sagt Guido Henseler, Vorsitzender der Geschäftsleitung des EWS.

Stauseen sind wichtige Stromlieferanten

Sollte auch in den kommenden Wochen der Stromverbrauch auf einem hohen Niveau bleiben, müssten die Zentralschweizer Elektrizitätswerke Strom von Schweizer Lieferanten wie der BKW-Gruppe beschaffen. So oder so Strom zukaufen muss während der Wintermonate das EWA: «In den entsprechenden Lieferverträgen sind darum auch ausserordentliche Situationen – wie wir sie aktuell erleben – geregelt», erklärt Jörg Wild vom EWA. Stauseen wie der Tannensee, Melchsee oder Lungerersee im Kanton Obwalden erfüllen ihre Funktion als Winterspeicher voll und ganz, wie Thomas Baumgartner vom EWO bemerkt: «Während der Winterzeit können wir mit dem Wasser aus den Stauseen wichtigen Strom produzieren.» Und die WWZ bauen derzeit das Unterwerk Langacher. «Dieses Werk stellt die Versorgungssicherheit auf lange Sicht auf der regionalen Netzebene sicher», sagt Daniel Messerli.

Des Weiteren beobachten die Zentralschweizer Elektrizitätswerke die derzeitige Stromversorgungssituation und die Wetterentwicklung genau und werden gegebenenfalls entsprechende Massnahmen einleiten. «Unser Pikettdienst ist auf höchster Bereitschaftsstufe, um schnellstmöglich eingreifen zu können», führt Simona Gambini von der CKW stellvertretend aus.

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www.ews.ch

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