Zentralschweizer Wirtschaft wächst überdurchschnittlich stark

31. Oktober 2011

Die Zentralschweizer Wirtschaft wächst deutlich schneller als der Schweizer Durchschnitt. Auch im kommenden Jahr werde die Zentralschweiz ein überdurchschnittliches Wachstum aufweisen, so die Prognose von Urs Müller, CEO der BAK Basel Economics AG. Vorsichtig positiv äussern sich auch Zentralschweizer Unternehmen zu den wirtschaftlichen Aussichten für das Jahr 2012.

Die Zentralschweizer Wirtschaft konnte beim Wirtschaftswachstum im Jahr 2011 um 2,8 Prozent zulegen. Der Schweizer Durchschnitt liegt bei 1,9 Prozent. Laut Urs Müller, Basler Konjunkturforscher und CEO der BAK Basel Economics AG, führen die Kantone Zug und Nidwalden das Feld an. Die Nidwaldner Wirtschaft wuchs in diesem Jahr um 3,7 Prozent, die Zuger sogar um 3,9 Prozent. Für das kommende Jahr rechnet Urs Müller erneut mit einem Wachstum von 3,2 Prozent für Nidwalden und 2,5 Prozent für Zug. In den Kantonen Uri und Nidwalden ist der Neubau von Tourismusanlagen wie dem Andermatt Alpine Resort und Bürgenstock Resort die Antriebsfeder. In Obwalden überzeugt die Industrie durch eine starke Dynamik. In Zug tragen die Pharmaindustrie und der Rohstoffhandel entscheidend zum Wachstum bei. «Der Kanton Luzern hingegen setzt sich nicht vom Durchschnitt ab», sagt Urs Müller.

Zentralschweiz wächst weiter

Im Jahr 2012 werde die Zentralschweiz ein Wachstum von rund 1,5 Prozent aufweisen, während die Schweizer Wirtschaft gemäss dem CEO der BAK Basel Economics AG lediglich um 0,8 Prozent zulegen wird. Branchenspezifisch betrachtet hält Urs Müller fest, dass der Bauwirtschaft ein weiteres gutes Jahr bevorstehe. «Der Wohnungsmarkt ist wegen der starken Zuwanderung in den letzten Jahren ausgetrocknet, und in den Ballungszentren tendiert der Leerwohnungsbestand gegen null. Zudem begünstigen die tiefen Zinsen die Bautätigkeit.» Hingegen leiden die Exportwirtschaft und der Tourismus am stärksten unter der rückläufigen Wachstumsdynamik.

Europa gibt den Takt an

Die wirtschaftlichen Perspektiven für 2012 beurteilt Beat Meyer, Managing Director der Wasserstrahl-Schneidtechnik-Firma Allfi AG in Stans, als vorsichtig positiv. «In unseren europäischen Hauptmärkten sind die Umsätze sehr gut. Dieser Trend dürfte noch einige Monate anhalten, da unsere Kunden einen hohen Auftragsbestand abzuarbeiten haben.» Die Allfi AG wird nächstes Jahr einen Teil des Produktionsvolumens in den EU-Raum auslagern. Der Grund liegt in der internationalen Kundschaft der Allfi AG: Rund 90 Prozent der Einnahmen stammen aus dem EU-Raum. «Aufgrund der ungebrochen starken Bautätigkeit und der niedrigen Zinsen wird das Jahr 2012 für den Kanton Nidwalden und die Zentralschweiz wohl relativ gut ausfallen. Für die weitere Zukunft werden wir uns aber kaum den wirtschaftlichen Entwicklungen in Europa entziehen können», sagt Beat Meyer. Es sei jedoch tröstlich, dass sich die Preise für Importprodukte nicht auf dem aktuell hohen Level werden halten können.

Wirtschaftsentwicklung im Fokus

Ähnlich beurteilt Beni Stöckli, CEO der Stöckli Swiss Sport AG in Wolhusen, die Perspektiven für 2012. «Trotz einer sich verschlechternden Konsumentenstimmung sind wir überzeugt, dass wir dank hervorragender Produkte und Beratung, klarer Positionierung und Produktlancierungen wie des ‹Stöckli Elektrobike› auch im kommenden Jahr weiter Marktanteile im umkämpften Sporthandel gewinnen werden.» Gerade der Sporthandel bekommt die Konsumentenstimmung mehr oder weniger ungefiltert und ohne grosse zeitliche Verzögerung mit. Die wirtschaftliche Entwicklung ebenfalls im Fokus haben die Bankinstitute. So rechnet die Schwyzer Kantonalbank künftig mit einer grösseren Ergebnisvolatilität. «Aufgrund neuer Regulierungen (zum Beispiel des Reformpakets ‹Basel III›) steigen die Kosten. Der Konkurrenzdruck nagt an den Erträgen. Das tiefe Zinsniveau beinhaltet diverse potenzielle Risiken: Anlagenotstand, Zinsänderungsrisiken aufgrund von Bilanzungleichgewichten, Bonitätsrisiken im Kreditportfolio und andere. Die anhaltende Frankenstärke sowie die Abkühlung der Konjunktur werden sich im Jahr 2012 negativ auf die Geschäftsergebnisse der Firmen auswirken. Die Schwyzer Kantonalbank ist auf diese Unsicherheiten gut vorbereitet: strategisch, strukturell und finanziell», sagt Peter Hilfiker, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Schwyzer Kantonalbank.

Schubkraft dank Investitionen

Dass es mit der Zentralschweizer Wirtschaft auch im nächsten Jahr aufwärtsgeht, über-rascht Toni Bucher, CEO von Eberli Sarnen, nicht. «Die Zentralschweizer Kantone haben in den letzten Jahren extrem grosse Anstrengungen unternommen und gute Rahmenbedingungen für die Wirtschaft geschaffen.» Er denkt da unter anderem an den Kanton Obwalden, der sich vom Ranglistenende an die Spitze vorgearbeitet hat. «Eberli Sarnen hat schon immer an den Wirtschaftsstandort Obwalden geglaubt und deshalb auch entsprechende Investitionen getätigt. Und zwar nicht erst seit Inkrafttreten des neuen Steuergesetzes.» Eberli Sarnen beteiligt sich seit mehr als sechs Jahrzehnten an der wirtschaftlichen Prosperität des Kantons Obwalden. Jüngstes Beispiel ist das neue 4-Sterne-Hotel Frutt Lodge & Spa auf Melchsee-Frutt, wo die Eberli Generalunternehmung AG 40 Millionen Franken in das neue Hotel investiert hat. Das Hotel öffnet am 17. Dezember 2011 seine Tore und wird laut Toni Bucher «der ganzen Region einen gewaltigen Schub verleihen».

www.bakbasel.ch

www.allfi.com

www.stoeckli.ch

www.szkb.ch

www.eberli-sarnen.ch

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