Schweizer Wirtschaft muss durch den Winter-Blues

12. Dezember 2011

Für das Jahr 2012 rechnet BAKBASEL nur noch mit einem Schweizer Wirtschaftswachstum von 0.4 Prozent. Hierbei ist für das Winterhalbjahr 2011/2012 von einer leicht rezessiven Entwicklung auszugehen.

Euro-Krise belastet globales Umfeld

Die Euro–Schuldenkrise hat sich in den letzten Monaten weiter verschärft und ist zu einer erheblichen Bedrohung für die globale Wirtschaft geworden. Im Basisszenario von BAKBASEL wird davon ausgegangen, dass die politische Lösungskompetenz ausreicht, grosse Euroländer vor ähnlichen Entwicklungen wie in Griechenland abzuschirmen. Aber auch unter dieser Annahme muss für die Eurozone im Winterhalbjahr 2011/2012 mit einer rezessiven Entwicklung gerechnet werden. Neben der in vielen Ländern sehr restriktiven Fiskalpolitik hemmen vor allem die zunehmend zögerliche Kreditvergabe der Euro-Geschäftsbanken und das allgemein hohe Misstrauen der Wirtschaftsakteure die realwirtschaftlichen Aktivitäten.

Unter der Annahme, dass eine Eskalation der Euro-Krise vermieden werden kann, werden sich die Anspannungen und Unsicherheiten allmählich auflösen, was der europäischen Realwirtschaft ab dem zweiten Halbjahr 2012 neue Luft zum Atmen verschafft. Aufgrund der vielfältigen und anhaltenden Belastungsfaktoren geht BAKBASEL jedoch davon aus, dass sich die ab dem zweiten Halbjahr 2012 erwartete konjunkturelle Besserung nicht in einem kräftigen zyklischen Umschwung äussert, sondern in einer zunächst noch sehr zaghaften Erholung, welche erst zum Jahresende 2012 verstärkt Fahrt aufnehmen wird. Ähnlich bescheiden gibt sich der konjunkturelle Ausblick im globalen Kontext.

Verhaltene Lichtblicke aus den USA, Abschwächung in China

Zwar scheint die konjunkturelle Lage der USA insgesamt deutlich gefestigter als diejenige der Eurozone, eine die globale Wirtschaft mitziehende Dynamik ist jedoch vorerst auch von dieser Seite nicht zu erwarten. Das gilt vor allem vor dem Hintergrund der nach wie vor hohen Arbeitslosigkeit, der bisher kaum vorangeschrittenen Erholung des Immobilienmarktes und den lähmenden politischen Auseinandersetzungen im Zuge der anstehenden Präsidentschaftswahl. Erschwerend hinzu kommt, dass auch der bisherige weltwirtschaftliche Erholungsmotor China stärker an Zugkraft zu verlieren scheint, als bisher erwartet.

Schweizer Konjunktur schwächt sich weiter ab

Das geschilderte globale Umfeld stellt die Schweizer Wirtschaftsakteure und Geldpolitik vor grosse Herausforderungen. Bereits in den vergangenen Monaten zeigten sich die negativen Einflüsse in rückläufigen Exporten und Unternehmensinvestitionen. Gleichzeitig ist die kräftige Erholung des Arbeitsmarktes zum Erliegen gekommen und die Zahl der Arbeitslosen im Oktober 2011 erstmals seit Januar 2010 wieder gestiegen (bereinigt um saisonale Effekte).

Zwar hat sich die preisliche Wettbewerbssituation der Schweizer Exportwirtschaft mit der am 6.September 2011 eingeführten SNB-Mindestgrenze etwas entschärft, auf dem aktuellen Niveau ist der Franken aber immer noch sehr hoch bewertet und stellt die Rentabilität vieler Exportbereiche in Frage. Auch steht der Schweizer Exportwirtschaft die schwierigste Phase erst noch bevor: So wird die bis anhin immer noch recht rege Mengenkonjunktur mit der globalen Abkühlung ins Negative kehren und die Auslastung der Produktionskapazitäten absenken. Damit wird die aktuell ohnehin geringe Investitionsbereitschaft weiter zurückgehen, was auch der Schweizer Arbeitsmarkt zu spüren bekommt.

www.bakbasel.com

2011_12_06_BAKBasel_MM.pdf

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